Abschied von Christiane


Die Geschichte endet hier wirklich.
Die Motorik meiner Frau liess es einfach nicht mehr
zu, die noch zahlreichen Hochs und Tiefs ihres Lebens
niederzuschreiben. Es ist noch viel passiert - Schönes,
aber leider auch weniger Erfreuliches,letzteres überwog
alles.
Da es aber ihre Geschichte ist, werde ich diese nicht
fortsetzen.

Mein Engel starb nach einem herben
Schub der Krankheit am 30.08.2006


Ihr Mut, ihre unerschöpfliche Kraft haben bis zuletzt
ihrem Schicksal getrotzt. Der ungebrochene Lebenswille
hat sie jedoch noch richtig leiden lassen. Permanente
Angstzustände liessen sie tagelang nicht mehr schlafen.
Sie glaubte, immer umfallen zu müssen, obwohl sie nur
noch im Bett lag. Sie in ihren Rolli zu setzen, war schlicht-
weg aussichtslos. Zum Schluss halfen nur noch Morphium
und starke Beruhigungsmittel, ein Anblick, der mich auffraß.

Ihren Wunsch zu sterben, äußerte sie mehrfach am Tag
und trotzdem musste man 24 Stunden ihre Hand halten -
als wohl letzte Verbindung zum Leben.
Nur mit dem vollen Einsatz der Pflegekräfte, ehrenamtlichen
Helfern, unseren Freunden und Verwandten gelang es uns,
ihr trauriges Leben noch lebenswert zu machen.

Diesen Helfern gebührt mein ewiger Dank!

Die Entscheidung, sie in einem Hospiz unterzubringen,
hat sie uns, dem Himmel sei Dank, abgenommen.

Warum muss ein Mensch, der nie etwas Böses getan hat,
so leiden?

Die Frage, ob es einen Gott gibt, habe ich mir schon lange
beantwortet -  ihr nutzloses Leiden bestätigt das aus meiner
Sicht -, diese Frage sollte sich jedoch jeder selbst beantworten.

Seit mein Engel im Pflegeheim (eigentlich Altenheim) wohnte,
versuchte ich mich von ihr ein wenig mental zu distanzieren,
nur zur Hilfe, mein Leben wieder in den Griff zu bekommen,
was mir zum Teil auch gelang.

Auf der anderen Seite wurde die
Bindung zu ihr immer stärker… zu stark!




Am Tag X brach eine Welt für mich zusammen, eine Welt,
die von Anfang an keine Zukunft hatte. Und doch will ich
keine Sekunde davon missen.

Ihre Schwester Bärbel, ihre Mutter und ich natürlich waren
bis zum bitteren Ende bei ihr. Wir glaubten zu sehen, wie
sich ihre Seele vom Körper trennte. Es hatte etwas Beruhig-
endes zu wissen, dass es ihr bald besser gehen würde.
An ihrem letzten Tag war nur noch ihr Körper da, der mit
einer Art Schnappatmung noch um ein wenig Luft rang.
Bis auch diese weg blieb und es nur noch an der Hals-
schlagader zu sehen war, wann sie ganz von uns ging.

Es war ein Anblick, der eine klaffende
Wunde in mein Herz riss.
Sie ist der
Mittelpunkt meines Lebens gewesen.


Lange habe ich noch an ihrem Bett gesessen und Abschied
genommen. Es fielen mir noch so viele Sachen ein, die ich ihr
immer sagen wollte. Warum fallen sie einem nur dann ein,
wenn sie der andere nicht mehr hören kann?
Wahrscheinlich bin ich doch feiger als ich glaubte, sonst hätte
ich es ihr wohl gesagt,
als sie noch lebte.

Oft schaue ich zum Himmel oder auf Fotos und rede mit ihr -
ohne Aussicht auf Antwort.

Auf Wunsch findet die Trauerfeier erst im Oktober statt, so
dass ich bis dahin mein Gedankengut und Leben festigen kann.
Und doch weiss ich, dass am Tag der Trauerfeier ich diesen nur
mit Beruhigungsmitteln überstehen werde.
Ich kann nur hoffen, dass das taube Gefühl im Kopf sich dann
verzieht.

Und während ich hier mit verheulten Augen sitze und diese
Zeilen schreibe, dreht sich die Erde weiter, dreht sich auch
ohne uns weiter, also nutze jeden Tag…
ich versuche es jedenfalls.

Christiane, ich liebe Dich


Bild-Christiane


Diese Website endet am 31.12.2006.
Für evtl. Fragen oder Anregungen bin ich jedoch weiterhin postalisch erreichbar.
Heyko Valk, Martinstr. 54, 40764 Langenfeld

Anmerkung von Gerd Jäkel:
Wir werden Christianes Homepage unter:   http://www.langenfeld-web.de/christiane-valk
weiterlaufen lassen.


Lieber Heyko,

erlaube uns an dieser Stelle einmal das zu schreiben,
was vielen, oder allen Deinen Freunden, Verwandten
und Bekannten auf dem Herzen liegt.

Christiane hätte sich keinen besseren Mann wünschen
können. Was Du in all den Jahren geleistet hast, verdient
unser aller Hochachtung.
Die Liebe und die Kraft, die Du aufgebracht hast, um
Christianes Leben so lebenswert wie möglich zu gestalten,
grenzt schon an das fast Unmögliche.

Danke, dass Du für Christiane da warst.

Wir wünschen Dir jetzt genauso viel Kraft, um wieder in
Dein Leben zurück zu finden.

Gerd und Marion



Karte-animiert











christiane